Mit Yoga in das Leben gehen

 

 

Das Leben trägt eine manchmal seltsame Gestalt in sich. Wir verstehen sehr oft das Leben und seine Facetten nicht. Wir rätseln herum, warum bestimmte Dinge geschehen und so sind. Hierbei kommt man mit seinem durchschnittlichen Bewusstsein nicht sehr weit. Vielfach möchten wir gerne flüchten und vor den Dingen davon laufen. Doch das bringt dauerhaft keinen Erfolg, wie wir im Laufe unseres Lebens mühsam erlernen werden. Diese Ereignisse führen den Menschen in eine tiefere Sinnsuche hinein. Es stellt sich immer mehr die innere Frage „Was mache ich hier?“, „warum bin ich auf dieser Welt?“ oder „was ist meine Aufgabe im Leben?“. Es ist die Suche nach dem Dharma, der inneren kosmischen Ordnung und Bestimmung. Die Suche beginnt und viele Menschen stoßen bei ihrer Suche auf Meditationsformen, Glaubensrichtungen und die verschiedensten Lebensphilosophien. Einige davon landen beim Yoga. Der Yoga bietet in sich geschlossenes Philosophiesystem, die sich mit der Suche nach dem eigenen inneren Selbst beschäftigt. Viele Menschen beginnen den Yoga in einer Zeit, wo sie merken, dass sie in ihrem gewöhnlichen Leben nicht mehr vorwärts kommen und auf der Stelle treten. Daraus entsteht eine Art innerer Unzufriedenheit, die häufig durch kaufen oder erleben materieller Dinge kompensiert wird. Spürt man innerlich, dass man in den weltlichen Dingen keine innere Befriedigung findet, so beginnt die langsame Suche im Inneren. 

 

Im Yoga gibt es öfters die Ansichten der Extreme. Die einen verstehen unter Yoga eine Art Gymnastik, die den Körper fit hält, den Geist zur Ruhe bringt und Entspannung entstehen lässt. Man betrachtet die äußere Form und vergisst dabei die tiefe innere Philosophie des Yoga. Auf der anderen Seite wird der Yoga unter dem Gesichtspunkt der Askese betrachtet. Der Yogi besitzt nichts mehr, isst nur noch wenig und gibt alle weltlichen Genüsse auf. 

 

Dieses andere Extrem wird in vielen Schriften vielleicht so dargestellt. Jedoch ist diese Form des Yoga nur für sehr wenige alleinlebende Menschen geeignet. Für den normalen Menschen, der mitten im Leben steht, einen Job besitzt und arbeiten muss, wird eine andere Art vorgesehen. Der Körper wird besonders im Tantra und Hatha-Yoga als ein Werkzeug zur Gotterkenntnis gesehen. Diesem Körper, der uns durch den ganzen Tag begleitet und mit dem wir den Yoga üben, wird eine große Bedeutung beigemessen. Ohne dieses Werkzeug keine Gotterkenntnis. Denn wenn der Körper krank und kaputt ist, seine Arbeiten nicht mehr bewältigen kann und früher stirbt, kann man keine Meditationen und Übungsweisen mehr durchführen. Der Körper ist also ein wichtiges Fahrzeug für den Yoga. Auch müssen Körper und Geist in die Welt hinaus, um das Leben zu leben, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Der Mensch hat viele Aufgaben in seinem Leben und die meisten Menschen können diese nur in der Welt erledigen. Die meisten Menschen, die den Yoga üben, befinden sich in der materiellen Welt. Nur ganz wenige Menschen sind nur für den Yoga da, meditieren und leben ganz zurückgezogen an einem einsamen Ort. Dieser Zustand hört sich sehr verlockend an und man wird sofort in dessen Bann gezogen. Einmal ganz alleine sein, seine Ruhe haben und nur noch üben. Doch das ist wohl eines der schwierigsten Sachen überhaupt. Der Zustand der Isolation. Die Mehrzahl der Menschen verträgt es nicht, über einen solch langen Zeitraum abgeschieden zu leben. Man hat keinen mehr zum Reden, kommt nicht mehr unter Leute und nimmt somit nicht mehr am weltlichen Leben teil. Dies ist sehr schwierig. Dazu benötigt es sehr viel Mut und Ausdauer. Diese Willensstärke besitzen nicht viele Menschen. Hier ist nicht die Willensstärke gemeint, die man benötigt, um einen Marathon zu laufen. Dies ist relativ einfach. Aber sich mit sich selbst auseinander zu setzen in tiefster Einsamkeit, das ist heftig!

 

Es gibt Menschen, die gehen in sogenannte Ashrams. Dies sind Gemeinschaften, die Yoga praktizieren und zusammen leben. Diese Menschen wollen nicht mehr in der Gesellschaft leben und ziehen sich zurück, in dem Glauben das nun alles einfacher sei. Das ist in manchen Fällen vielleicht richtig, jedoch entstehen in jeder Gemeinschaft Konflikte und Unstimmigkeiten. Was hat man nun dadurch an Lebenserfahrung gewonnen? Eigentlich ist es nicht anders! Nur das Umfeld ist anders. Das Innere und dessen Konflikte nimmt man immer mit. Man kann davor nicht flüchten. Es ist von Vorteil, wenn man einmal einige Zeit vor dem Leben flüchtet und sich eine Auszeit gönnt, um seinen Geist zu sammeln und Ruhe zu finden. Danach jedoch müssen die meisten Menschen wieder zurück in die Welt, um ihre Aufgaben zu erledigen und ihrem Dharma zu folgen. Davor kann niemand flüchten.

 

Yoga ist Leben und beschäftigt sich auch mit den materiellen Dingen des Lebens. Der Körper ist nun einmal materiell gestrickt und wer sich mit ihm nicht beschäftigt, der kann keinen Yoga praktizieren. In unserem Körper ist all unser Karma versteckt, welches auf der Sinnsuche nach dem Leben und sich selbst ausgegraben werden muss.

 

Zieht man sich nun einige Zeit zurück vom Leben und praktiziert den Yoga in einer extremen Form, so muss man dennoch irgendwann wieder hierher zurück. In der Einsamkeit der Höhle oder in der Ruhe des Ashrams ist es leicht, ein spirituelles Leben zu führen. Doch was geschieht, wenn man plötzlich wieder in die Welt hinausgeht??????

Man tritt aus der Ruhe und Abgeschiedenheit hinaus. Und was kommt einem entgegen? Man findet, gebildet durch eine extremere Sichtweise, eine Welt voller Chaos, Schmerz und Leid. Wie kann der spirituelle Mensch dies ertragen? Er kommt aus der Region von Ruhe und Frieden und findet nun genau das Gegenteil vor! Dies ist die Schwierigkeit des Yoga! Wie gehe ich mit meinem Wissen im Leben um, nicht in einer Höhle, wo mich in vielen Fällen nichts stören kann? Nun zeigt sich wieviel innere Ruhe der Mensch besitzt. Was hat er gelernt in der Stille. Vielleicht das Stille still ist und die Welt ein lautes Chaos.

 

Der Yoga will das Gelernte in das Leben integrieren. Yoga ist alles andere als Weltflucht.

 

Yoga ist das Leben selbst!

 

In der Übungsphase benötigt der Suchende Ruhe und Stille für die Konzentration. Nach dem Üben braucht er die Aufmerksamkeit für die Welt und muss das erlernte im Leben anwenden.

 

Er muss wie ein Fels in der Brandung werden!

 

Er selbst muss seelisch-geistig stabil und fest stehen während die Welt um ihn herum Purzelbäume schlägt. Das Leben selbst ist die Prüfung im Yoga. Der Suchende sollte mit Offenheit in die Welt gehen. Immer mit einem reinen und offenen Herzen. Durch das Herz und die daraus fließende innere Liebe tritt er in Beziehung zur Welt und den Lebewesen.

Öffnen wir unser Herz und gehen mit dem Wissen und der Energie des Yoga in das Leben. Schenken wir anderen Menschen das Wissen um den Yoga und schenken Mitgefühl für alle Wesen. Der Yoga ist grenzenlos, so wie das Universum selbst. Nur in der Beziehung zur Welt und dem Leben erkennen wir uns selbst.