Ishvara pranidhana - Hingabe an Gott

Ishvara pranidhana, die Hingabe, stellt einen sehr wichtiger Aspekt der Yogapraxis dar. Die Hingabe und Ehrerbietung an das Universelle oder Göttliche sollte zu einer Grundlage der Praxis werden. Der Mensch als Teil der Natur entsteht aus der universellen Energie und lebt in dieser. Jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und jedes Mineral sind Teile des Ganzen. Das Zusammenspiel all dieser Dinge wird durch eine Kraft in Schwung gehalten, die wir nicht sehen können. Auch kann man diese nicht mit Worten beschreiben, da sie unermesslich groß ist. Geht man auf dem Weg des Yoga voran, so wird es immer deutlicher spürbar, dass etwas Größeres uns durchflutet.

Aus Ehrfurcht vor der Größe des göttlichen Aspektes sollte sich der Mensch verneigen und Demut zeigen. Nichts was der Mensch tut, kann dem Universellen an Bedeutung gleichkommen. Der Mensch stellt nur einen kleinen Aspekt der Schöpfung dar. Doch nehmen wir uns oft sooooo wichtig. Sich dieser Tatsache bewusst zu werden und dies anzuerkennen ist eine Aufgabe des Suchenden im Yoga. Aus Respekt an das Göttliche, sollte der Suchende seine Tätigkeiten in Hingabe und Liebe dieser Kraft darbringen.

 

Ishvara steht für das  

  • Göttliche
  • Universelle
  • Allumfassende

 

pranidhana bedeutet 

  • Hingaben
  • Ehrerbietung

 

Ishvara-pranidhana gehört zu den von Patanjali - in seinem achtfachen Yoga Weg - beschriebenen Niyamas. Die Niyamas sind die Gebote für die persönliche Lebensführung.

 

 

Patanjali schreibt in seinen Sutren:

 

“sauca-samtosa-tapah-svadhyaya-isvarapranidhanani”

 

Reinheit, innere Ruhe, Askese, eigenes Studium und Hingabe an Gott

sind die inneren Disziplinen.” 

Patanjali Yoga-Sutras, 2:32

 

 

 

Im zweiten Kapitel der Yoga-Sutras beschreibt Patanjali den Kriya-Yoga, den Yoga der „heiligen Handlung“. Kriya-Yoga dient dem Zwecke, um den Geist zur Ruhe zu bringen, yogas-citta-vrtti-nirodhah, und sich von den Kleshas, den Leidensursachen, zu befreien. Zu diesem Kriya-Yoga gehören die Niyamas Tapas, Svadhyaya und Ishvara-pranidhana.

 

Viele unserer Handlungen werden aus einem Zustand des Egos gemacht. Dieser Zustand wird durch die Gedankenwellen hervorgerufen. Die Geistesbewegungen rufen einen Wunsch hervor, dieser gebärt einen Gedanken und dieser Gedanke wird dann in die Tat umgesetzt. Jeder innere Wunsch erwächst aus den Tiefen der Samskaras und des Karmas. Der Wunsch ist somit nicht frei, sondern vorgeprägt. Dies wiederspricht dem Ishvara, dem Göttlichen, welches frei von allen Wünschen und Karma ist. Der Zustand Gottes kann nur in einem ego-freien Zustand erfahren werden. An dieser Stelle zeigt Patanjali die Wichtigkeit der Hingabe und Ehrerbietung Gottes auf. Nur wer alles für das Göttliche auf gibt kann Es erkennen.

 

Ehrerbietung und Hingabe kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden: 

  • Yoga-Praxis
  • Satsang, Zusammensein mit Meistern und Heiligen
  • Puja, Rituale und Gottesdienst
  • Gebete und Mantren
  • Meditation

 

Durch die verschiedenen Yogawege kann Hingabe an Gott geübt werden: 

  • Karma-Yoga
  • Bhakti-Yoga
  • Jnana-Yoga

  

Die Praxis des Karma-Yoga führt dazu, dass man all seine Taten dem Göttlichen darbingt. Man handelt, da eine Handlung erforderlich ist, doch man achtet nicht auf dessen Früchte. Im zweiten Kapitel der Bhagavad Gita sagt Krishna zu Arjuna:

 

 

 

„Dein einziges Recht ist es zu wirken, und keinen Anspruch hast du auf die Früchte deines Tuns; lass weder die Früchte deiner Handlung dir Motiv zum Handeln sein, noch wende dich zum Müßiggang.“ 

Bhagavad Gita, 2:47

 

 

Der Mensch hat die Pflicht zu handeln, weil es seine Bestimmung und Aufgabe ist. Doch er soll sich nicht an den Früchten des Handelns orientieren und daran hängen. Das Handeln um der Früchte willen erzeugt die Bindung an diese Welt. Nur wer sich von den Früchten löst, so sagt Krishna, und gleichmütig in guten wie in schlechten Dingen handelt, wird frei sein und ist nicht mehr an diese Welt gebunden. Er erlangt unendlichen Frieden. Dies ist jedoch eine schwere Aufgabe, da wir Menschen sehr stark durch die Erziehung und unser Karma an diese Welt gebunden sind.

 

Liebe und Hingabe an Gott sind der Motor, der das Fahrzeug Mensch zu Gott bringt. Sind Liebe und Hingabe nur mittelmäßig, so wird der Erfolg auch nur mittelmäßig sein. Gibt der Suchende sich und seine Handlungen ganz dem Göttlichen hin, so ist dies wie ein Turbomotor, der den Menschen in rasantem Tempo zur Befreiung führt.

 

 

“samadhi-siddhir isvarapranidhanat. ”

 

Durch Hingabe an Gott erlangt man die vollkommene Versenkung.” 

Patanjali Yoga-Sutras, 2:45